OCEAN CARE - PARTNERSCHAFT

 

Auf der diesjährigen boot in Düsseldorf verkündete Charter-Profi Sunsail/The Moorings, ab sofort eine Partnerschaft mit der Meeresschutz-Organisation OceanCare mit Sitz in der Schweiz eingehen zu wollen. Tenor: “Meeres-Schutz geht alle an – und jeder kann seinen persönlichen Teil dazu beitragten”, wie Jim van Leeuwen, Head of Sales Europe von Sunsail und The Moorings, bei der Vorstellung erklärte. Über das mittlerweile über 30jährige Engagement von OceanCare, das Forschungs- und Schutzprojekte, Kampagnen, Umweltbildung und den Einsatz in internationalen Gremien umfasst, sprach life@sea mit der Präsidentin der Organisation, Sigrid Lüber. Text/Interview_Matt. Müncheberg Fotos_Esther Michel

 

LIFE@SEA: Frau Lüber, vor dreißig Jahren gründeten Sie die Meeresschutz-Organisation OceanCare. Wie kam es dazu? Sigrid Lüber: Bei einem Tauchgang vor den Malediven gab es eine für mich sehr folgenreiche Begegnung: ganz unerwartet fand ich mich inmitten einer Schule von Delfinen wieder. Sie schienen mir zu sagen: “Tu etwas!” Das war 1989... Zurück in der Schweiz gründete ich dann zusammen mit Freunden die Organisation OceanCare (ehemals ASMS – Arbeitsgruppe zum Schutz der Meeressäuger), der ich nun schon seit 1993 als Präsidentin vorstehe. Eine kleine Gruppe von Tierschützern, die im Frühling 1989 den Bau eines Delphinariums in der Schweiz verhinderte, ist zu einer weltweit anerkannten Organisation angewachsen, die sich nicht weniger als die Rettung der Meere auf die Fahnen geschrieben hat und selbst von der UNO um Rat gefragt wird.

 

Haben Sie mit dieser Entwicklung gerechnet, als Sie vor dreissig Jahren OceanCare gründeten? Ganz ehrlich: Ja! Schon damals, als die Arbeitsgruppe zum Schutz der Meeressäuger ihre Arbeit aufnahm, war mir klar, dass wir das grosse Parkett würden suchen müssen, wenn wir gehört werden wollten; ein nachhaltiger Schutz des marinen Lebensraumes ist nur erfolgreich, wenn wir nicht nur protestieren, sondern global vernetzt handeln. Ich hatte mir ein Ziel gesetzt und war im jugendlichen Eifer nicht bereit, Kompromisse einzugehen, um dieses Ziel zu erreichen. Heute wird OceanCare als Meeresschutz-Organisation wahrgenommen, die Entscheidungsträger berät und an internationalen Konferenzen Einfluss nimmt.

 

Heute kämpft OceanCare an zahlreichen und sehr unterschiedlichen Fronten…Falsch! Wir kämpfen nicht. Wer kämpft, hat einen Gegner und riskiert, den Kampf zu verlieren. Wir haben vielmehr Partner, und wir wollen überzeugen. Nur so kann man gewinnen. Besonders wichtig ist diese Überzeugungsarbeit zurzeit beim Thema “Vermüllung der Meere durch Plastik”. Das ist jetzt im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit angekommen. Immer mehr Menschen erkennen, dass sie selbst entscheiden können, ob sie lieber ein Teil des Problems bleiben - oder zur Lösung beitragen wollen, indem sie etwa auf den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten verzichten, Plastik meiden und das Auto stehen lassen. Es ist doch so: Als Demokraten wählen wir die Politiker, die dafür sorgen, dass die Energiewende ernst genommen wird, als Konsumenten beeinflussen wir die Nachfrage nach Fisch- oder Erdöl-Produkten. Wir entscheiden, ob wir einen Segeltörn unternehmen oder einen Motorboottrip, mit dem Surf-Board oder auf dem Jet-Ski über die Wellen brettern. Öl speist nicht nur Heizungen und Motoren, es ist auch der wichtigste Plastik-Rohstoff. Wir steuern die Nachfrage - wo aber die Nachfrage ausbleibt, wird nicht geforscht, gesucht, ausgebeutet und abgebaut.

 

Wie sieht es in puncto Lärm im Wasser aus? Auch da gibt es einen absoluten Handlungsbedarf, weil Lärm nicht sichtbar ist, aber das Leben unter Wasser immer massiver bedroht. Dabei stehen längst nicht mehr nur die Schiffsmotoren im Vordergrund, noch viel unerträglicher ist für die Tiere im Meer der Lärm, der von Forschungsschiffen der Öl-Industrie ausgeht. Vor fünf Jahren hat sich die Internationale Gemeinschaft mit dem Pariser Klimaschutz-Abkommen zur Energiewende bekannt und verpflichtet, die fossilen Energiequellen durch erneuerbare zu ersetzen. Und was geschieht? Die Erdöl-Industrie lanciert einen beispiellosen Run auf unterseeische Ölvorkommen.

 

Warum gestaltet sich die Suche nach dem Schwarzen Gold so Iärmintensiv? Der Meeresgrund und die geologischen Schichten darunter werden wochen-, oft monatelang mit seismischen Kanonen beschaIlt. Jedes Forschungsschiff ist mit bis zu 48 Druckluftkanonen ausgerüstet. Jede Kanone feuert alle zehn bis fünfzehn Sekunden einen Schuss ab. Kürzlich erst hat eine wissenschaftliche Studie nachgewiesen, dass ein einziger Schuss im Umkreis von knapp zwei Kilometern neunzig Prozent des Planktons töten kann. Dieses Plankton aber steht am Anfang der Nahrungskette, er ist die Basis des Lebens im Meer. Meine grösste Sorge gilt den kleinsten Tierchen im Meer. Sie sind mehr als nur die Nahrungsgrundlage der grössten Lebewesen auf dem Planeten, sie gewähren letztlich auch unser Überleben.

 

Der Sonderberaterstatus, den die UNO OceanCare zuerkannt hat, war so etwas wie ein Ritterschlag für Sie... Ja, das war so etwas wie ein Meilenstein in der langen Geschichte unserer Organisation, ein Erfolgserlebniss, und ein Zeichen der Anerkennung. Seit 2016 sind wir zudem auch offizieller Partner des regionalen Fischereiabkommens der Welt- Ernährungsorganisation für das Mittelmeer. In dieser Funktion wirken wir an einem Abkommen mit, das den Fischfang regelt. In selben Rahmen haben wir im letzten Dezember einen gemeinsamen Workshop mit dem UNO-UmweItprogramm durchgeführt, um Lösungen für das Plastikproblem im Mittelmeer zu finden. Ein weiterer Workshop, an dem sich die Fischereikommission beteiligte, befasste sich im Februar mit den Auswirkungen des Unterwasserlärms auf die Fischbestände und die sozialen wirtschaftlichen Konsequenzen.

 

Stichwort Klimawandel: bedroht dieses Phänomen auch die Meere? Ja, ganz klar. An den Polen schmilzt das Eis, Korallenbänke bleichen aus und sterben ab, im Mittelmeer erreichen die Wassertemperaturen Werte, die wir früher auf den Malediven gemessen haben. Die Lebewesen im Meer reagieren sehr empfindlich auf solche Schwankungen - und so verschwinden in manchen Regionen angestammte Arten, während tropische Fischarten im Mittelmeer zuwandern und so die heimischen Arten noch mehr unter Druck setzen.

 

Sie erreichen dieses Jahr das Pensionsalter. Wird Ihre Schaffenskraft dem Meer und den Menschen erhalten bleiben? Ich habe mir die Zahl 70 zum Ziel gesetzt; solange möchte ich noch weitermachen. Aber natürlich habe ich meine Nachfolge geregelt - und sie bleibt in weiblicher Hand: Mit Fabienne McLellan hat eine Frau, die sich auf dem diplomatischen Parkett bestens bewährt hat, meine Nachfolge im Ressort Internationale Beziehungen übernommen, Und mit unserer Geschäftsleiterin Vera Bürgi steht eine Kapitänin am Ruder, die unser Schiff auch bei schwerem Seegang sicher auf Kurs hält. Ich kümmere mich im Hintergrund um strategische Aufgaben, bin weiterhin in die inhaltliche Ausrichtung involviert und begleite das Team als Mentorin. Die Kultur der Governance, der verantwortungsvollen Unternehmensführung, die ich in internationalen Gremien fördere, stelle ich auch innerhalb von OceanCare in den Fokus.

 

Auf der diesjährigen boot in Düsseldorf wurde in einer gemeinsamen Absichtserklärung die Zusammenarbeit mit The Moorings und Sunsail avisiert. Wie kam es dazu? Wir haben Sunsail & The Moorings anlässlich der Rose of Charity-Segelregatta im Herbst 2019 kennengelernt. Sunsail & The Moorings ist langjährige Partnerorganisation dieses Charity-Events, der jedes Jahr ein Charity-Projekt der breiten Öffentlichkeit vorstellt. 2019 fiel die Wahl auf OceanCare. Während einer unvergesslichen Woche konnten wir Meeresschutz vermitteln und unsere Arbeit medienwirksam in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit stellen. Dank der Rose of Charity sind neue Türen aufgegangen, die ein ganz neues Potential bergen, die Segel-Community zu sensibilisieren und die Bewohner der Ozeane und deren Habitat mit vereinten Kräften besser zu schützen. Wir sind daraufhin mit Sunsail & The Moorings eine offizielle Partnerschaft eingegangen, welche an der boot lanciert wurde.

 

Was beinhaltet diese Partnerschaft? Um das Bewusstsein in der Seglergemeinschaft für Meeres- und Artenschutz zu schärfen, hat sich das Unternehmen exklusiv in einer gemeinsamen Absichtserklärung dazu verpflichtet, die Sensibilisierung und Aufklärung zu fördern sowie Maßnahmen zum Meeresschutz zu unterstützen. Um die Zukunft des Meeres und seiner Bewohner zu schützen, will sich Sunsail / The Moorings dafür einsetzen, die Einwirkungen auf die Umwelt zu reduzieren. Die bisherigen bisherigen Tätigkeiten des Unternehmens zum Thema Nachhaltigkeit sollen verstärkt werden, und die Kunden sollen in Zukunft noch stärker für das Thema sensibilisiert werden. So jedenfalls das Statement von Jim van Leeuwen, Head of Sales Europe bei Sunsail, beim Launch der Vereinbarung.

 

Was bedeutet das genau? Die exklusive Vereinbarung wird als „Best Practice“-Beispiel für die Zusammenarbeit von Privatsektor und Nichtregierungsorganisation (NGO) angestrebt. Sie umfasst ein gemeinsam aufgestelltes Rahmenwerk mit folgenden Eckpunkten: Sensibilisierung und Aufklärung, Information der nautischen Gemeinschaft auf verschiedenen Plattformen und durch gemeinsame Initiativen, Umsetzung praktischer Umweltinitiativen zu Abfallentsorgung, Recycling und konkretem Meeresschutz, Einbeziehung der Regionen / Kommunen vor Ort und Entwicklung und Festlegung eines Leitfadens für konkrete und bewährte Verfahren. Es soll weiterhin ein  Beitrag zur Erreichung der in der „UN Agenda 2030“ definierten Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen geleistet werden. Die Kooperation zu einem internationalen Modell soll weiterentwickelt werden. Spenden sollen aufgebracht werden und das Engagements der Seglergemeinschaft zur Umsetzung konkreter Schutzinitiativen gefördert werden.

 

Als erste Maßnahme haben OceanCare und Sunsail einen Leitfaden mit Tipps für einen meeresschonenden Törn aufgelegt. Genau. Dieser wird ab sofort in die Reiseunterlagen, die jeder Kunde vor Abfahrt erhält, integriert. Auch Informationsmaterialien zur Auslage an den Abfahrtsbasen sind geplant. Um Müll und insbesondere Plastik an Bord zu reduzieren,  werden wiederverwertbare Einkaufstüten und Veggiebags, Mehrwegbeutel für Früchte und Gemüse, bereitgestellt. Auch in der Kommunikation der Unternehmen soll das Thema Nachhaltigkeit an Bord ab sofort eine größere Rolle spielen. So sollen die Kunden durch Newsletter und Social Media-Aktivitäten sowie auf der Website kontinuierlich darüber aufgeklärt werden, was sie als Charterer dafür tun können, um Gewässer und Meeresbewohner auf ihrem Segeltörn bestmöglich zu schützen.

 

Frau Lüber, wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Matt. Müncheberg.

 

 

Weitere Infos zu Ocean Care sowie zu dem “Leitfaden mit Tipps für einen meeresschonenden Törn”: Ocean Care, Postfach 372, Ch-8820 Wädenswil, Tel. +41 (0) 44 780 66 88, info@oceancare.org, oceancare.org, moorings.de