STÖRCHE ÜBER SILVES - ABENTEUER ALGARVE

Wer Entspannung sucht und den Sommer noch etwas verlängern möchte, der ist im Gebiet der südportugiesischen Algarve genau richtig. Hier gibt es nicht nur weisse Strände und kleine pittoreske Fischerdörfer, wer mag, kann auf Aktiv-Törns auch die wilde Natur und die reiche Kultur und Historie der Region am Südostzipfel der Iberischen Halbinsel entdecken. life@sea.online buchte (im Sommer 2020, als das noch möglich war) einen Paddel-Törn mit dem engagierten und freundlichen Team von „Algarve Selvagem“ entlang des geheimnisvollen, naturnahen Flusses Arade, der ruhig durch den Distrikt Faro fliesst – bis zur Mittelalter-Stadt Silves. Text_Matt. Müncheberg Fotos_Matt.Müncheberg, Algarve Tourism

 

Der größtenteils naturbelassene Rio Arade entspringt in der Serra do Caldeirão, wird in seinem Mittellauf von zwei Talsperren zu Stauseen aufgestaut, fließt an Silves vorbei und mündet schließlich bei Portimão und Ferragudo in den Atlantik. Wir machen es andersherum und befahren den im Hochsommer geheimnisvoll dunkel schimmernden, fischreichen Arade „von unten nach oben“, sprich von der Mündung nördlich von Portimao in Richtung der Quelle.

 

Möglich macht das die Tide des nahen Atlantiks: bei auflaufendem Wasser übernehmen wir unsere stabilen Seekajaks in einem Städtchen mit dem wohlklingenden Namen Mexilhoeira gleich südlich der Straßenbrücke der Landesstraße N125 am Ende der Rua Patricio Judiceonteiro, wo sich auch das Wassersportzentrum des Ortes befindet,  und machen uns auf den Wasser-Weg Richtung Nordosten.

 

Durch das Steigen des Wasserstandes infolge der Gezeiten an der Küste drückt das Wasser ins Land, nun können wir für ein paar Stunden völlig stressfrei mit der Strömung stromaufwärts paddeln. Unser heutiges Tagesziel ist die mittelalterliche Stadt Silves mit ihrer alten Festung, der Kathedrale, den vielen kleinen verwinkelten Gassen – und den vielen Weißstörchen, welche hier auf ihrem Westzug rasten oder sogar überwintern, und so seit langem das Stadtbild prägen.

 

„Bis ins 19. Jahrhundert hinein war der Arade bis nach Silves hinauf schiffbar, heute ist dies aufgrund von Verlandung nicht mehr möglich“, sagt Paulo Martins. Nur mit kleinen, flachgehenden Booten komme man heute noch bis ins Zentrum von Silves hinein. Schon lange gebe es Plände, den Arade bis Silves auszubaggern – geschehen sei indes bis heute noch nichts.

 

Der drahtige, junggebliebene Zweiundsechzigjährige betreibt in seiner Freizeit alle Arten von Wassersport. Vor allem liebt er das Segeln auf dem Atlantik mit größeren Yachten, Paolo ist aber auch professioneller Freitaucher, Surfer – und Paddler.

 

Paddelnd begleiten er und seine Freundin Sandra uns heute auch auf unserem Tages-Törn den Rio Arade hinauf. Paolo ist Kopf des Unternehmens „Algarve Selvagem“, das aus einem Team von Spezialisten besteht, die Interessierten durch verschiedenste Aktivitäten die unberührte Natur der Region nahebringen wollen. „Unsere  Guides haben mehr als 30 Jahre Erfahrungen sowohl in Portugal als auch im Ausland gesammelt“, sagt Paolo, im Fokus des Teams stünden besonders Outdoor-Aktivitäten wie Tauchen, Wandern, Kajakfahren sowie die Vogelbeobachtung, und er wolle sein umfangreiches Wissen gern mit interessierten Besuchern teilen und ihnen verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, die die Region im Öko- und Naturtourismus biete.

 

Gesagt, getan: paddelnd passieren wir erst die Straßenbrücke der Küsten-Landstraße, dann, wenig später unterqueren wir die gewaltige Autobahnbrücke der A22, welche den Südteil Portugals mit dem östlichen Nachbarn Spanien verbindet. Backbordseitig sehen wir am Ufer Reste von Hafenanlagen aus der Römerzeit, die zusehends verfallen.

 

Das auflaufende Wasser „schiebt“ uns sanft Richtung Norden den Ribeira de Arade hinauf. Es ist ein sonniger, heißer Hochsommertag, dessen Hitze ein stetig wehender, kühler Küstenwind erträglich macht. Wir sollen die Sonnencreme nicht vergessen, schärft uns Paolo immer wieder ein, und wir sollen viel trinken.

 

Kurz nach der Passage der Autobahnbrücke legen wir einen ersten Stopp ein. Gleich links hinter der Brücke im Felsen Rocha de Garcia haben die Einwohner von Mexilhoeira ein Bildnis des Heiligen Antonio aufgehängt. Er soll die Fischer beschützen, erklärt Paolo. Früher habe an dieser Stelle eine kleine Statue gestanden. Als diese eines Tages gestohlen worden sei, habe man stattdessen ein Kachel-Bild aufgehängt. Bis heute würden die Fischer der Region hier ihre Gelübde ablegen.

 

Dann biegt der Arade nach rechts, sprich: Richtung Osten ab. Plötzlich ist es ganz still um uns herum, nur das leise Plätschern der Bugwellen an unseren Kajaks begleitet uns auf unserem Törn. Links und rechts des Stromes liegt teilweise durch die Ebbe trockengefallenes sumpfiges Land, das tiefbraun in der Sonne glänzt und das von Strandläufern auf Würmer abgesucht wird. Unweit von uns zieht ein Fischadler vorbei, wir sehen Teichhühner, schwarze Ibisse und Seebrassen.

 

Sogar Flamingos könne man hier zu bestimmten Zeiten bestaunen, sagt Paolo. Wenn man Vögel in ihrer natürlichen Umgebung beobachten wolle, sei unser Tages-Paddeltörn perfekt, denn die Arade-Mündung gelte als Refugium für alle Arten von – teilweise auch sehr seltenen – Vögeln.  Wir passieren  die Fontes de Estômbar und gelangen dann zu einer kleinen Insel, die plötzlich direkt vor uns im breiten Strom liegt.

 

„Der Name der Insel ist Nossa Senhora do Rosario“, erklärt Paolo. Früher habe an dieser Stelle eine Wallfahrtskirche gestanden, die gleichzeitig auch als Leuchtturm gedient haben soll. Außerdem sei die Insel ein Grenzpunkt zwischen den Orten Lagoa, Silves und Portimao gewesen, welcher seit der Römerzeit heftig umkämpft gewesen sein soll. Nach einem dieser zahlreichen Kämpfe sollen Männer aus Ferragudo die Statue der Nossa Senhora do Rosario aus der Kapelle gestohlen haben – wie auch immer, betont Paolo, langsam weiterpaddelnd, heute sei sie jedenfalls in der Kirche von Farragudo zu besichtigen.

 

Der Arade macht nun einen Bogen nach rechts – Richtung Osten – und wird schmaler. An Backbord machen wir einen zunächst unscheinbaren Ponton aus. Dieser entpuppt sich schließlich als der Anleger des chilligen „Club Nautico Silves“ an der Sitio da Rocha Branca – mit einem ausgezeichneten Restaurant und einer Bar namens „Xaranga“. Hier gehen wir längsseits und lassen uns ein paar eisgekühlte Sagres schmecken – wer speisen möchte, sollte unbedingt vorreservieren (Tel. 351-912302535). Es gibt frisches Seafood vom Grill und tolle Weiß- und Rosé-Weine aus der Region; wer mag, kann in einem Pool relaxen.

 

Von hier aus können wir bereits die 11.000 Einwohner-Stadt Silves ausmachen, einstmals Residenz eines Emirats bzw. Sitz eines Bischofs. Als älteste Stadt der Algarve war Silves spätestens im 4. Jahrhundert v. Chr. unter dem Namen Cilpes zunächst von den Phöniziern und den Karthagern besiedelt. Fernhandel bestimmte seit langem das Bild, denn auf dem Rocha Branca, einem Hügel unweit von Silves, fanden sich Produkte aus Griechenland, Phönizien und Karthago. Darüber hinaus ließen sich Münzen mit der Aufschrift „Cilpes“ in die Jahre 206 bis 40 v. Chr. datieren.

 

Unter den Römern wuchs die Siedlung dann zu einer bedeutenden Stadt, obwohl sie keinen Hafen hatte, sondern am Rand der Serra de Monchique lag. Unter den arabischen Namen as-Shilb oder Xelb wurde Silves 713 dann Teil des Umayyaden-Kalifats und wechselte mit der Iberischen Halbinsel nach 756 von den Abbasiden, die in Damaskus die Macht übernommen hatten, zum von dort geflohenen Umayyaden Abd ar-Rahman I. Drei Mal wurde Silves im Laufe der Zeit von christlichen Heeren erobert und fiel 1242/46 endgültig an Portugal.

 

Wir paddeln weiter und erblicken die „Rote Maurenburg“, ein aus dem 9. bis 12. Jahrhundert stammendes, aus rotem Sandstein erbautes Kastell, das mit seinen 60 m tiefen Zisternen (aljibes) etwa 12.000 Quadratmeter einnimmt. Am 3. September 1189 wurde Silves nach längerer Belagerung von einem Kreuzfahrerheer, an dem sich Deutsche, Engländer und Flamen beteiligt hatten, unter dem portugiesischen König Sancho I. erneut eingenommen und geplündert. Seine Bronzestatue steht heute am Eingang der Burg.

 

Gleich daneben können wir schon vom Wasser aus die dreischiffige Kathedrale Sé ausmachen, die anstelle einer früheren Moschee im Jahr 1189 dort gebaut wurde, und die durch das verheerende Erdbeben von 1755 fast vollständig zerstört wurde. Die Kathedrale wurde zwar in der Folge im gotischen Stil wiederaufgebaut, erfuhr aber infolge der häufigen Wiederaufbau- und Restaurierungsarbeiten viele Änderungen.

 

Und dann sehen wir sie – die vielen als Glücksbringer geltenden Weißstörche, welche so charakteristisch sind für die Stadt am Arade River. Gemächlich ziehen sie ihre Kreise über den weißgetünchten Häusern, waten im Schlick des Flussufers umher oder stehen in ihren teils über viele Jahre gewachsenen, grossen Nestern, die sich fast überall in der Stadt auf Schornsteinen, Strommasten und Dächern finden lassen. Weißstörche sind etwa 80 bis 100 Zentimeter lang und haben eine Flügelspannweite von etwa 200 bis 220 Zentimeter. Bis auf die schwarzen Schwungfedern ist das Federkleid rein weiß.

 

Das Wort Storch, früher auch storc, storke, storah, stork, sturka oder storkr lässt sich zu den Wörtern starr, sterke usw. zurückverfolgen. Der Vogel wäre demnach nach seinem stelzenden Gang benannt. Eine andere Wurzel könnte sein, dass sich der Name als Metapher vom Wort stock ableitet, das im Mittelalter für "männliches Glied" stand. Das passt auch zur Sage vom Storch als Kinderbringer, die im germanischen Sprachraum weit verbreitet ist. Das Wort Adebar hingegen ist etwa seit dem 11. Jh. auch noch in den Formen otibero, odebar, odevare, earrebarre und eibert bekannt. Ursprung könnte hier die Deutung des Vogels als Glücksbringer abgeleitet von auda- "Heil, Glück" und bera- "tragen, bringen, gebären" sein.

 

Bei den hier lebenden „Klapperstörchen“ handele es sich um sogenannte „Weststörche“, erklärt Paolo. Die flögen bei Gibraltar über das Mittelmeer, um in Westafrika vom Senegal bis zum Tschadsee den Winter zu verbringen. Die Westzieher seien im Frühjahr eher in den Brutgebieten zurück als die Ostzieher, die über die Türkei nach Afrika fliegen würden. Eine zunehmende Anzahl westziehender Störche aus Mitteleuropa verkürze die Reiseroute und verbleibe für den Winter auf der Iberischen Halbinsel – wie zum Beispiel an der Algarve. Immer wieder könne man beobachten, dass die Störche auch über die Winterzeit in ihren Sommerstandorten wie in Silves verbleiben würden.

 

Als wir in die auf einem Berg erbaute Mittelalterstadt hineinpaddeln, bemerken wir einen jungen Storch, der sich – entgegen dem Volksglauben, dass Störche unverletzlich seien – in einem Abwassergitter am Flussufer unglücklich verhakelt hat und allein nicht mehr loskommt. Steigt das Wasser in den nächsten Stunden, würde er wahrscheinlich ertrinken. Wir lösen seine roten Beine und seine Flügel vorsichtig von den Metallstreben und nehmen ihn in einem unserer Paddelboote mit. Noch ein wenig benommen und wackelig auf den Beinen scheint der junge Adebar die Ausfahrt aber mehr und mehr zu genießen.

 

Als wir schließlich hinter der Ponte Velha, einer römischen Brücke südlich des Ortes, unsere Paddeltour beenden und mit unseren Kajaks anlanden, setzen wir den Storch behutsam an Land. Erst schüttelt er sich ein wenig, dann stolziert er ein paar Meter, schüttelt sich erneut, breitet seine Schwingen aus – und erhebt sich schließlich Richtung stahlblauem Algarve-Sommerhimmel.

 

 

Pro Person kostete der Paddel-Törn 45 Euro, ein Shuttle zurück zum Ausgangspunkt sowie Wasser waren inklusive. Zu buchen u.a. über www.pt4u.pt


MALEDIVEN-BARFUSS-SEGELN

 

Das jüngst eröffnete The Nautilus befindet sich auf der maledivischen Privatinsel Thiladhoo inmitten des UNESCO-Biosphären-Reservates des Baa Atolls. Das Mini-Eiland gehört nicht nur zu den exklusivsten Resorts der Welt, das seinen Gästen viel Flexibilität, Freiheit und Privatsphäre offeriert. Das Management besann sich auch der kulturellen Traditionen, die auf dem mitten im Stillen Ozean gelegenen Archipel viel mit handwerklich perfektem Holz-Bootsbau und geschicktem Segeln zu tun haben. Aus diesem Grund ließ es von den alten Bootsbau-Meistern eines benachbarten Atolls nach originalen Plänen eine traditionelle Bokkura neu bauen. Dieses hübsche kleine, flachgehende Boot mit dem großen Lateiner-Segel steht ab sofort auch den Gästen der Insel für stunden- oder tageweise Törns zur Verfügung. Wer will, steuert selbst, holt das Baumwollsegel dicht oder nimmt die Riemen in die Hände. Wenn dann noch eines der unbewohnten Eilande oder eine Sandbank angesteuert wird,  kann man eine Ahnung davon bekommen, wie es wohl gewesen sein mag auf den pittoresken Malediven – bevor in den Siebzigern der Tourismus- und damit der Bauboom einsetzte, der noch immer ungebremst anhält. life@sea ging an Bord und machte den Selbsttest. Text_Matt Müncheberg Fotos_The Nautilus, Matt Müncheberg

 

Wer darüber hinwegsehen kann , dass es sich bei dem Inselstaat der Malediven mit seinen 1.196 Inseln im Indischen Ozean südwestlich von Sri Lanka – jedenfalls nach westlich- europäischem Verständnis – nicht gerade um eine sogenannte „lupenreine“ Demokratie handelt, dass die Müllproblematik der Inselgruppe nach wie vor prekär ist (bei der Landung auf dem Airport in Malé kann jeder die „Müllinsel“ Thilafushi sehen, auf der ständig offen alle Arten von Müll verbrannt werden), wen es auch nicht stört, dass viele der im Akkord hochgezogenen Touristen-Resort-Eilande nach wie vor durch sogenanntes Landscaping in die gewünschte Form gebracht werden, und dass jede der mittlerweile über 147 Urlauber-Inseln (manche behaupten, es seien schon fast 200) von – Tag und Nacht Unmengen von Diesel schluckenden – riesigen Generatoren angetrieben werden, wer das alles also per se auszublenden gewillt ist, für den gibt es gute Nachrichten.

 

Mit dem The Nautilus Maldives gibt es seit 2019 auf der maledivischen Privatinsel Thiladhoo Island – gelegen inmitten des (eigentlich geschützten) UNESCO-Biosphärenreservates des Baa Atolls – ein neues, kleines aber feines Resort; es wird sogar behauptet, dass es sich bei dem Inselchen um eines der exklusivsten Resorts der Welt handeln soll. Im Hinblick auf die (nicht vorhandenen, festen) Öffnungszeiten der insgesamt drei ausgezeichneten Restaurants, der (auf Wunsch individuell zusammenstellbaren) Menüs und der extraordinären Spa-Behandlungen dürfte daran jedenfalls kein Zweifel bestehen.

 

Es dürfte wohl auch kaum ein anderes Resort auf den aus mehreren Atollen bestehenden Archipels im Indischen Ozean geben, bei dem (neben viel Service, Komfort und Privatsphäre) die Flexibilität und Freiheit des Gastes tatsächlich so großgeschrieben wird wie hier. Geht nicht? – gibt es nicht auf der Insel, die, bevor sie zu „The Nautilus“ umgewidmet wurde, unter dem originären Namen Thiladhoo bekannt war. Soweit irgend möglich, kann hier jeder Gast machen, was er will, und wann er will.

 

Die Wünsche der Gäste nach außergewöhnlichen Erfahrungen werden jedoch nicht nur  bezüglich der insgesamt lediglich 26 Strand- und Overwater-Villen (die hier mit viel Understatement nur „Houses“ heißen), der Menüs in den Restaurants oder spezieller Wedding-, Cinema- oder individueller Wunsch-Events erfüllt. The Nautilus ist zuvörderst auch – zumindest für denjenigen, der hier nicht ausschließlich relaxen und schlemmern will – ein wahres Wassersport- Eldorado: Paddeln in Seekayaks ist ebenso selbstverständlich (kostenfrei) möglich wie SUPen, Kat-Segeln, Kiten und Schnorcheln in und außerhalb der Lagune, in welcher sich kleine Haie, Rochen und viele bunte Fische tummeln.

 

Gegen Gebühr gibt es auch motorisierten Wassersport wie etwa die Nutzung von modernen Jet-Skies. Wer will, unternimmt stunden- oder tageweise Törns mit einer (zwar nicht mehr ganz neuen, aber sehr gepflegten) 54 Fuß langen Princess-Motoryacht und lässt sich vom Vorschiff oder der komfortablen Flybridge aus Plätze zeigen, an denen Delphine springen oder Manta Reys elegant durchs Wasser pflügen.

 

Für Hochsee-Angler wurde jüngst sogar eine neue Riviera-Motoryacht mit großem Achter-Cockpit und allem erdenklichen Gerät angeschafft, und für Taucher gibt es die unter Kennern wegen ihres besonders Fisch- (und Hai-) reichen Riffs angesagte, geschützte Hanifaru Bay, in der zu bestimmten Zeiten – zumeist in der zweiten Jahreshälfte – viele der eleganten, großen Manta Reys und die friedlichen Walhaie anzutreffen sind.

 

Was The Nautilus jedoch für die Segler unter den Wassersport-Fans so besonders (und damit auch für unser life@sea-Team interessant) macht, ist die bewusste Besinnung auf die Tradition, zumindest was den Bootsbau betrifft. So wurde etwa gleich nach Eröffnung des Resorts vor einigen Monaten von Holzbootsbauern eines benachbarten Atolls aufwendig eines der traditionellen Bokkura-Segelboote nach historischen Vorbildern komplett neu gebaut.

 

Hölzerne Bokkuras sind die kleinsten traditionellen Boote, die bis vor einigen Jahrzehnten noch zu Hunderten auf den Malediven anzutreffen waren, und die, seit die viel praktischeren, motorisierten Kunststoff-Boote auf dem Archipel Einzug gehalten haben, aktuell vom „Aussterben“ bedroht sind.

 

Bokkuras, die den traditionellen Dhonis ähneln, aber mit maximal sechs bis acht Metern Länge viel kleiner sind als diese und lediglich Platz für bis zu drei Segler bieten, wurden früher von den Einheimischen oft zum Fischen an den Riffen genutzt, und sie dienten als Tender-Boote zwischen den großen Dhonis und den flachen Stränden, denn Stege, Häfen und Jetties gab es damals noch nicht.

 

Die Bokkura von Thiladhoo hat – wie ihre originalen Vorgängerinnen auch – traditionell zwei Riemen, die mit Enden an nach oben verlängerten Spanten des Rumpfes fest aber beweglich verbunden sind. Man rudert das Boot allein oder zu zweit mit dem Blick Richtung Heck durch eine Öffnung im Riff hinaus in die offene See, dann wird – nachdem mit wenigen Handgriffen aus Tauwerk Wanten und Vorstag gespannt wurden – das an einer langen Spiere, auch Lateinrah genannt, befestigte dreieckige Lateiner-Segel gesetzt. Das ist in Relation zu dem kleinen, verhältnismäsßg flachgehenden Rumpf (das Boot besitzt keinen Kiel) ziemlich groß bemessen.

 

Da das originale, aus Baumwoll-Streifen längs zusammengenähte Latein-Segel nicht gerefft werden kann, sollte man vorher genau aufs Wetter schauen: droht stärkerer Wind, ist man gut beraten, vorn vornherein ein kleineres Segel anzuschlagen. Die einzige vorhandene Schot, die gleichzeitig zum Dichtholen des Segels, zum Niederholen des Unterlieks und Straffen des Achterlieks dient, verläuft wie bei einem Vorsegel von der Schothorn-Kausch  zunächst nach unten durch eine hölzerne Führung und von dort zu einer festen, achterlich aufgestellten Baumstütze, An dieser wird oben, ähnlich wie auf einer Klampe, die Schot so belegt, dass diese zwar fest ist, aber dennoch jederzeit schnell gelöst werden kann, falls das erforderlich ist.

 

Gesteuert wird stehend mit einem Fuß auf der hölzernen Pinne, die auf ein schräges Spatenruder aufgesteckt ist; dieses ist wiederum – ebenfalls mit Tauwerk – fest aber trotzdem beweglich mit dem spitz zulaufenden Heck des Bootes verbunden. Als ich mich wie vom Jollensegeln gewohnt aufs Deck des Hecks setzen will, Blick nach vorn und die Pinne in der einen sowie die Schot in der anderen Hand haltend, ernte ich von den maledivischen Seglern nur belustigte und missbilligende Blicke.

 

Also stelle ich mich ins Boot, Fuss auf die Pinne, Schot locker am Top der Baumstütze belegt – na geht doch; nun sind die Locals zufrieden und nicken anerkennend ob des Faktes, das unser Bötchen geradeaus fährt – mit mir Greenhorn am Steuer. Nach kurzer Zeit an der Pinne stelle ich fest: das Prinzip funktioniert – bei moderatem, gleichmäsßg wehendem Wind – ausgezeichnet und macht nach kurzer Eingewöhnungszeit richtig Spaß. Wer wie wir einige seglerische Erfahrungen mit hölzernen und modernen (europäischen) Jollen hat, wird keine Probleme mit dem Steuern einer Bokkura haben, zudem auch die Segelführung vergleichsweise einfach gehalten ist.

 

Dennoch sollte das Segeln mit diesem liebenswerten, traditionellen offenen Boot nicht unterschätzt werden. Frischt der Wind auf, geht die Bokkura ab wie „Schmidts Katze“ – und erreicht einen Speed, den man dem kleinen, aus Kokospalmen-Holz gebauten Boot nicht zugetraut hätte. Jetzt ist Konzentration am Steuer gefragt, auch muss der Versatz durch den Wind mit einberechnet werden, der – in Ermangelung eines Kiels – nicht unerheblich ist.

 

Zudem macht es sich jetzt durchaus positiv bemerkbar, wenn die Crew – wie wir aus dem Regattasport kommend – ohne viel Nachzudenken intuitiv trimmt. Denn: das kleine, flachgehende Boot besitzt verhältnismäßig wenig Freibord, und es ist rank – das heißt:  ziemlich wackelig.

 

Haarig wird es, soll die – eigentlich jedoch sehr gutmütige – Bokkura bei etwas mehr Wind gewendet werden. Denn nun muss – nachdem man zunächst, so gut es geht, an Fahrt gewonnen hat – das verhältnismäßig große Lateinersegel, im Wind stehend, möglichst schnell zusammengerollt werden, um dann mit der gesamten, ziemlich unhandlichen Spiere über den Masttop gehievt werden zu können.

 

Im Idealfall geschieht dies, nachdem der Bug durch den Wind gegangen ist. Wenn sich das Boot dann auf dem neuen Bug befindet, wird das Segel schnell wieder ausgerollt und sofort dichtgeholt. Hat man Zeit, ist es keine Schande, dieses Manöver durch Paddeln zu unterstützen. Und im Zweifelsfall hat man hier auf den Malediven viel von diesem kostbaren Stoff: Zeit. So kann, während ein Crewmitglied rudert, sich ein anderes an Bord voll und ganz auf das Segel konzentrieren, während der Skipper achtern den Kurs hält.      

 

Nachdem wir eine Weile so einige Eilande des Baa-Atolls abgesegelt sind, passieren wir Madhiri Vadhoo. Madhiri steht in Dhivehi, der Sprache der Malediven, für Mücken, Vadhoo für Insel, und so taufen wir dieses Inselchen, welches Thiladhoo vorgelagert ist, kurzerhand Moskito Island. Die natürliche, unbebaute und unbewohnte Insel gibt uns einen Eindruck davon, wie die Inseln des Baa-Atolls einst ausgesehen haben müssen, bevor vor einigen Jahrzehnten der Tourismus-Boom auf dem Archipel eingesetzt hat.  

 

Ein sandiges Eiland, in dessen Mitte sich außer ein paar Palmen, Buschwerk – und im Fall von Moskito Island – in der Mitte ein kleiner See befindet, wie aus der Zeit gefallen, idyllisch, kitschig schön und zu einem spontanen Besuch einladend. Info: thenautilusmaldives.com

 

HINKOMMEN: Etwa mit Turkish Airlines über Istanbul, turkishairlines.com  

 

 

 

WAS JEDER TUN KANN, UM DIE UMWELT ZU SCHÜTZEN

 

 

Bevor man seinen Malediven-Urlaub bucht, sollte man sich informieren, wie es das Resort mit der Umwelt hält. Es gibt Resorts, die konsequent Müll vermeiden, und anfallende Restabfälle fachgerecht entsorgen oder sogar recyceln. Einige Unternehmen ersetzen nach und nach Plastik- gegen Glasflaschen, Kaffeemaschinen mit in Aluminium eingeschweißten Plastik-Kapseln in den Bungalows gegen die Umwelt schonendere Geräte, und sogar Glas wird teilweise eingeschmolzen und daraus neue Behältnisse oder gar Kunst gemacht. Es gibt Resorts, die die Dächer ihrer Villen, Spas, Restaurants und Staff- Gebäude mit Solardächern bestücken, um den Dieselverbrauch der Generatoren wenigstens ein wenig eindämmen zu können. Auf The Nautilus werden die Gäste dazu angehalten, Müll zu vermeiden, Wasser gibt es nur in Glasflaschen, der Müll wird getrennt und nach Thilafushi gebracht, und die Urlauber werden aufgefordert, ihren im Resort anfallenden Plastikmüll einfach wieder mit nach Hause zu nehmen – auch wir haben uns während unseres Aufenthaltes daran gehalten. Natürlich ersetzt das alles nicht eine – bisher nicht vorhandene – solide Umweltpolitik der maledivischen Regierung, die diesen Namen wirklich verdient.