TRÄUMEN ERLAUBT – EINE KREUZFAHRT VOR CORONA-ZEITEN QUER DURCH „FRENCH POLY“AN BORD EINES CARGO-CRUISESHIPS

Gauguins Hund - Kreuzfahrt nach Hiva Oa: die Novelle aus der todome-Edition des mari-team-Verlages, Berlin, nimmt den Leser mit auf eine Kreuzfahrt der besonderen Art. Die führt von Papeete über die Tuamotus, die Marquesas und Bora Bora quer durch Französisch-Polynesien. Das Vorwort zu der 120 Seiten-Erzählung schrieb Segler-Legende Bobby Schenk, der selbst mehrere Jahre in „French Poly“ verbrachte. Eine gute Gelegenheit, zumindest träumend durch die triste Corona-Zeit zu kommen, denn aktuell ist (noch) nicht klar, wann Passagiere endlich wieder an Bord gehen können, um unbeschwert ihre Kreuzfahrt – mit Landausflügen und allem, was dazugehört – genießen zu können.

„Wir retteten WIEBKE: vor Blaufäule und In-der-Ecke-hinter-dem-Schuppen-Vergessen-Werden. Und sie: rettete uns, die der See Verfallenen. Einen Winter lang reparierten wir das Boot, unermüdlich, trotzig, frierend, fluchend, nass vom Regen und von Schweiss, unter freiem Himmel arbeitend, selbst bei Minusgraden. Wir ersetzten Wrangen, Spanten, Plankenstücke, Teile des Decks, wir schliffen, kalfaterten, spachtelten, grundierten, lackierten, besorgten einen Stand brauchbarer Segel, schoren neue Schoten ein und Fallen, träumten vom Meer. Und schliesslich: segelten wir los...

 

Nun also eine Passage auf der HIRO: Von den Marquesas fährt das Schiff über Rangiroa und Bora Bora wieder zurück nach Papeete. Viertausenddreihundert Kilometer sollen nach vierzehn Tagen im Kielwasser der HIRO liegen – macht dreihundertsieben Kilometer pro Tag. Oder: einhundertsechsundsechzig Seemeilen“.

 

 

Hiva Oa ist ein polynesischer Name, er bedeutet „Langer Firstbalken“. Eine Insel im Südostpazifik trägt diesen Namen. Von Papeete aus läuft die HIRO diese zweitgrößte Insel des Marquesas-Archipels auf einer vierzehntägigen Fahrt regelmäßig an. An Bord des Schiffes finden die zwei Wochen statt, die in diesem Buch erzählt werden.

 

Der Autor begibt  sich mit der HIRO auf den „Törn seines Lebens“: nacheinander werden Takapoto, die Marquesas mit den Inseln Nuku Hiva, Ua Pou, Hiva Oa, Fatu Hiva, Tahuata, Ua Huka sowie Rangiroa und Bora Bora angelaufen, bevor das Schiff zum Ausgangshafen zurückkehrt.

 

Auf einem Landausflug auf Hiva Oa lernt er die Mitreisende Monique kennen. – Der Erzähler ist entschlossen, diese vierzehn Tage annähernd „autobiographisch“ zu beschreiben: ohne viel Erfundenes, das doch nicht besser auszudrücken vermag, was an Bord tatsächlich geschehen ist.

 

Das Buch ist zugleich eine poetische Bilanz des Autors: ein knappes, dennoch prägnantes und einfühlsames Buch über die Liebe – zu einem Menschen, zum Meer, zum Leben. Sergio Pesutic.

 

 

„Nur der Kopra-Schoner, jenes Versorgungsschiff, welches früher unter Segeln, heute mit schwerem Gardener-Diesel, alle Inseln abfuhr, um die Menschen dort mit Lebensmitteln und reichlich Hinano-Bier zu versorgen, konnte die  Reisenden ganz Polynesien erleben lassen, wenn diese – gegen ein geringes Entgelt und gänzlich ohne Komfort – mit dem Schlafsack an Deck, viele Wochen durch diese Paradiese getuckert waren, von Inselchen zu Inselchen...

 

   Eine kleine Reederei, selbstverständlich in chinesischer Hand, wie fast alle Geschäfte in der Südsee, hatte diese Marktlücke erkannt und bietet seitdem Rundreisen auf den Spuren der Kopra-Schoner an. Für abenteuerlustige  Menschen, die auf den üblichen Komfort, den schwimmende „Kreuzfahrt-Paläste“ heute bieten, gern verzichten können.

 

   So wie Tom Hagen, Held der in diesem Buch erzählten Geschichte, der auf der HIRO als Tourist (wenn auch „inkognito“ in „dienstlicher“ Mission) für zwei Wochen einschifft, um Polynesien im Wortsinne zu er-„fahren“.

 

   Es dauert nicht lange, bis er dem Zauber der Südsee erliegt – und dem Charme einer Mitreisenden aus Frankreich. Oder ist es gerade umgekehrt? Wir erfahren das Alles in dieser wunderbar feinfühligen Erzählung.

 

   Und werden so doch wieder daran erinnert, dass das Leben endlich ist, die Liebe jedoch keine Grenzen kennt“. (Bobby Schenk, aus dem Vorwort)

 

  

Novelle, 152 Seiten, Taschenbuch. 1. Aufl. Berlin 2019. € 12,95 (D), € 13,40 (AT), CHF 16,95 (CH). ISBN 978-3-00-058779-5. Buch rechtzeitig zu Weihnachten bestellen: am besten direkt über den Verlag. In der kommenden Ausgabe unseres Print-Partner-Magazins MEER & YACHTEN werden Kreuzfahrten unter Corona-Bedingungen (rechtlich) thematisiert. Außerdem wird dort dem Thema Nachhaltigkeit bei Kreuzfahrten ein eigenes Kapitel gewidmet – in Kürze auch an dieser Stelle nachzulesen. Fotos unten_Matt. Muencheberg, entstanden während einer Mitfahrt auf dem Cruise-Freighter ARANUI 5 in Französisch-Polynesien 2016. 


DAS MEER IST NICHT DAS ENDE DER WELT

Der Schweizer Fotograf Beat Presser, der in den 1980er Jahren unter anderem eng mit dem Regisseur Werner Herzog und dem Schauspieler Klaus Kinski zusammenarbeitete, und der für verschiedene renommierte Modefotografen tätig war, bereiste ab 2009 Tansania. Mit einer traditionellen Dhau besegelte er die Ostküste des afrikanischen Landes von Pemba im Norden über Zanzibar, Dar es Salaam, Mafia, Jibondo und Kilwa Kivinje bis hinunter nach Rushungi. Fotos/Texte_Beat Presser Intro/Infos/Beitrag_Matt Müncheberg

 

 

Immer mit dabei hatte der Basler, der bereits mit 15 Jahren beschlossen hatte, Fotograf zu werden, seine Leica M6 und seine Nikonos-V sowie vier Objektive von 21 bis 90 mm. Auf unzähligen Ilford Delta 100- und HP5-Filmen dokumentierte er unermüdlich die afrikanischen Dhaus und die Menschen, die auf, mit oder von den hölzernen Booten leben.

 

Herausgekommen ist ein berührender Fotoband in schwarz/weiß, der von der Schönheit eines Landes und seiner Bewohner erzählt, von der Faszination des Segelns mit einer Dhau – und vom langsamen Sterben dieses formschönen, überaus praktischen traditionellen Schiffstyps (Dhau, Beatus Piratus auf Sindbads Spuren, Moser Verlag, ISBN 978-3-9812344-7-3).

 

Mit seiner Liebeserklärung an die Segel-Dhaus wurde Beat Presser damit gleichzeitig zum Konservator und Dokumentaristen einer bereits seit dem 4. Jahrhundert existierenden Bootsklasse, deren Tage neuerdings durch den Einzug moderner Bootsbau-Materialien und Antriebssysteme endgültig gezählt zu sein scheinen.

 

„Das Meer ist nicht das Ende der Welt, sondern der Beginn einer ganz neuen Welt, einer Welt voller Ressourcen und neuer Möglichkeiten“ – Dieser Satz fasst zusammen, was in der Sammlung dieser wunderschönen, ausdrucksvollen Fotografien ausgesagt wird, die Beat Presser beim Segeln entlang der ostafrikanischen Swahili-Küste von und auf Dhaus aufgenommen hat.

 

Eine kleine Auswahl dieser Fotografien stellen wir an dieser Stelle vor, und auch die nachfolgenden Texte entnahmen wir mit freundlicher Erlaubnis des Fotografen und Autors Beat Presser dem genannten, großformatigen Fotoband – ein Muss für jeden Segel- und Foto-Fan.

 

Als Menschen das Laufen lernten, suchten sie wahrscheinlich alsbald nach Möglichkeiten, das Wasser zu überqueren: ein Baumstamm als Brücke für schmale Gewässer, ein paar zu einem Floss zusammengebundene Stämme, ein ausgehöhlter Stamm als Kanu oder schließlich zu einem Boot zusammengefügte Planken für die Bewältigung längerer Strecken auf dem Wasser mithilfe eines Paddels, eines Ruders oder eines Segels.

 

Auf solchen Booten wurden zunächst quadratische Segel verwendet, die aus vor Ort vorhandenen pflanzlichen Fasern gewebt waren und vom Rückenwind angetrieben wurden. Aber irgendwann entwickelten Seeleute am Indischen Ozean dreieckige Lateinersegel aus Baumwolle, die viel höher am Wind fahren könnten. Dieses Segel ist zu einem Symbol der Dhau geworden.

 

Im westlichen Teil des Indischen Ozeans wurden größere Boote in den ausgedehnten Regenwäldern der ostafrikanischen Küste und der westindischen Malabarküste gebaut, wo sich die berühmten Teak- und anderen Harthölzer fanden. Holz wurde auch in die Wüstengegenden Arabiens und des Persischen Golfs transportiert, um Boote dort zu bauen.

 

Vor Mitte des 19. Jahrhunderts waren die meisten Boote auf dem Indischen Ozean derartige Dhaus aus Holz. Dhau ist ein generischer Begriff und deckt eine Vielzahl verschiedenartiger Holzboote ab, darunter Auslegerboote und Katamarane, die entlang der Küste des Indischen Ozeans entwickelt wurden, um örtlichen Wind- und Seeverhältnissen Rechnung zu tragen. Doch da die meisten Langstreckenboote windgetrieben waren und die Seeleute einen permanenten Austausch pflegten, entwickelte sich für all diese Dhaus trotz zahlreicher verschiedener Namen und Varianten ein gemeinsamer Grundstock maritimer Kultur auf dem Indischen Ozean.

 

Auch für die Navigation zur Meeresüberquerung entwickelten sich gemeinsame Kenntnisse. Man bediente sich der Strene und des Kamals, eines einfachen Instruments zur Bestimmung der Breitenlage mittels der in Fingerdicken gemessenen Abstände des Polarsterns oder anderer Navigationssterne vom Horizont oder von deutlich sichtbaren Landmarken entlang der Küste, und anhand der Beschaffenheit des Meeres.

 

Doch war das Wasser nicht einfach eine zu überquerende Leere, sondern auch ein Medium, das Völker und Kulturen zusammenbrachte. Wie das Mittelmeer war auch der Indische Ozean ein ausgedehntes Meer, das den Dialog zwischen Zivilisationen über Tausende von Jahren begünstigte. Eine wesentliche Rolle dabei spielte der Monsun, der jahreszeitliche Wind, der zuverlässig im Winter von der kalten asiatischen Landmasse aus Norden und im Sommer umgekehrt aus Süden weht.

 

Dieser Wind ließ eine Reihe kosmopolitischer, maritimer Kulturen rund um den Indischen Ozean entstehen. Seit Jahrtausenden fahren Händler und Seeleute kreuz und quer über das Meer und schaffen damit enorme Chancen für die soziale und kulturelle Interaktion der an den Küsten angesiedelten Gemeinwesen. Freilich wurde die Kommunikation durch den Monsun nicht nur erleichtert, sondern in gewisser Weise auch behindert, da er die Seeleute zwang, die Monate zwischen den gegenläufigen Winden an ihrem Bestimmungsort zu verbringen. Dies bot ihnen jedoch beste Gelegenheit, sich die Hörner abzustoßen. So machten sie ihrem weltweiten Ruf alle Ehre.

 

Wenn man den indischen Maat einer Dhau mit seinen zahlreichen Damenbekanntschaften an der ostafrikanischen Küste aufzog, konnte er wie selbstverständlich antworten: „Na klar, neuer Hafen, neue Frau“. So verbreiteten die Seeleute nicht nur ihre Gene, sondern auch ihre Lebensart, ihre Tracht, ihre Nahrung, ihre Lieder und Tänze und sogar ihre Religionen: den Buddhismus bis nach China, den Hinduismus nach Südostasien und den Islam an allen Küsten des Indischen Ozeans. 

 

Die Kultur der Swahili ist eine der maritimen Kulturen am Indischen Ozean. In ihrem Leben spielt das Meer eine sehr bedeutende Rolle. Es liefert ihnen Nahrung, und dank des Windes können sie als Fischer und Händler entlang der Küste und über den Indischen Ozean segeln. Ihr Name ist aus dem arabischen Wort „sahil“ abgeleitet, was „Küste“ bedeutet.

 

Die Dhau hatte für die Entwicklung und Erhaltung der maritimen Kultur entlang der ganzen ostafrikanischen Küste erhebliche Bedeutung. Sie sprechen eine Bantusprache, die reich an mit dem Meer zusammenhängenden Wörtern ist. Alle an dieser Küste wohnenden Völker von Südsomalia bis nach Nordmosambique und zu den Komoren sprechen unterschiedliche Kisuaheli-Dialekte, deren Entwicklung durch einen mehr als tausendjährigen Kontakt mit der maritimen Welt begünstigt wurde.

 

Allerdings beschränkte sich die Interaktion der Swahili nicht auf den ostafrikanischen Küstenbereich. Sobald sie um den Monsun aus Südwesten (kusi) und den aus Nordosten (kaskazi) wussten, konnten sie und ihre Partner von der anderen Seite des Indischen Ozeans Handelsbeziehungen und soziale und kulturelle Kontakte zwischen der ostafrikanischen Küste und der Südküste Arabiens, dem Persischen Golf, der indischen Westküste und in noch grösserer Entfernung mit Indonesien und Südchina knüpfen. Kisuaheli hat eine grosse Anzahl Wörter aus dem Arabischen, Persischen, Indischen und anderen Verkehrssprachen des Indischen Ozeans entlehnt.

 

Doch entwickelt sich Geschichte nie nur geradlinig weiter, sondern weist stets eine weniger rühmliche Schattenseite auf, die man nicht ignorieren darf. Dazu gehört der Sklavenhandel, der an den Gestaden des Indischen Ozeans nicht anders als auf dem Mittelmeer und später auf dem Atlantik abgewickelt wurde. Man geht freilich fehl in der Annahme, dass dieser Handel ein unvermeidliches oder konstantes Merkmal maritimer Aktivitäten ist. Vielmehr hing er von der zeitweilig erhöhten Nachfrage nach Arbeitskräften in manchen Anrainerregionen des Indischen Ozeans ab, die aus anderen Teilen der Welt gedeckt wurde.

 

Dies hat bei manchen Völkern, darunter den afrikanischen, bei allen Anrainern des Indischen Ozeans, an der arabischen Küste, im Persischen Golf und an der indischen Westküste unweigerlich Spuren hinterlassen. Man sieht das nicht nur an den Hautfarben, sondern noch deutlicher an den mitgebrachten Kulturen einschließlich Musik und Tanz.

 

Ein anderes Merkmal ist die Piraterie. Sie ist eine offensichtliche Folge von Sicherheitsmängeln auf hoher See, aber an einigen Küstenstrichen auch eine Reaktion auf die Armut und die schreiende Ungerechtigkeit der Vermögensverteilung, wie sie vom Seehandel manchmal offengelegt wird. In der langen Geschichte des Indischen Ozeans waren die Insel Sokotra vor der somalischen und jemenitischen Küste, Teile der Küste am Persischen Golf und die indische Westküste bekannte Schlupfwinkel von Piraten, die auf den vielbefahrenen Handelsrouten des Indischen Ozeans ihrer Beute auflauerten.

 

Dabei verhielten sie sich oft wie Parasiten, die ihre Wirte nicht vernichten wollten. Entsprechend wurden ihre Opfer, die Händler und Seeleute, ausgeraubt und manchmal auch versklavt, doch im Allgemeinen nicht getötet. Manchmal liesßn die Piraten sie auch mit der Aufforderung frei, mit reicherer Fracht zurückzukehren. Zuweilen wurde arme Küstenvölker in die Piraterie getrieben, wenn ihre Lebensgrundlagen prekär wurden, sei es durch kolonialistische Eroberungszüge, zum Beispiel der al-Quasimi aus Ra`s al Chaima und Schardscha im Persischen Golf des 19. Jahrhunderts, oder durch das Überfischen der Bestände durch ausländische Kutter, wie in den letzten Jahren vor der somalischen Küste.

 

Und selbstverständlich stellt sich die Frage nach Schmuggel. Dabei ist allerdings daran zu erinnern, dass Schmuggel eine Möglichkeit war, die nicht selten erdrückenden Steuern zu vermeiden, die die Festlandstaaten von seefahrenden Händlern oft mit dem Ziel erhoben, den herrschenden Eliten den Bau von Palästen im Binnenland zu ermöglichen, statt der armen Bevölkerung an der Küste zu helfen.

 

Vor der Ankunft der Portugiesen war der Indische Ozean ein mare liberum, das nicht von den großen Reichen des Kontinents beherrscht wurde, sondern von einer Kette von Hafen- und Stadtstaaten. Die Besteuerung mit übertriebenen oder unerschwinglichen Sätzen konnte durch den Handel mit freundlicheren Staaten in der näheren Umgebung umgangen werden.

 

Zunächst versuchten die Portugiesen mit ihren Cartazes (Passierscheinen), später auch die Niederländer und Briten, ein Monopol für den Handel auf dem Indischen Ozean zu etablieren. Arabische Händler aus Oman hatten keine Probleme, die Kolonialmächte entlang der ostafrikanischen Küste zu beschwindeln, die sich anmaßten, eine Kopfsteuer auf alle geernteten Mangroven zu erheben, denn sie akzeptierten das Recht dieser selbsternannten Kolonialisten nicht, ihnen Kosten für Dinge aufzuerlegen, für deren Anbau sie nichts getan hatten. Selbstverständlich kann Schmuggel auf alle möglichen Arten erfolgen, doch ist er für die Küstenbevölkerung nie nur ein juristisches, sondern auch ein wirtschaftliches Problem.

 

In seiner bemerkenswerten Sammlung von Fotografien hat Beat Presser den Schwerpunkt auf eines der maritimen Völker, die Swahili, gelegt, doch lassen sich seine Wahrnehmungen für fast alle Regionen des Indischen Ozeans verallgemeinern. Egal ob es sich um Kinder handelt, die an der Küste von Zanzibar mit ihren Segelschiffen spielen oder ins Meer springen, oder um Erwachsene beim Fischfang und beim Transport banaler Frachten zwischen Zanzibar und den Häfen auf dem Festland oder ob sie Freizeitbeschäftigungen wie die beliebten Regatten darstellen, diese Fotos sind eine getreue historische Aufzeichnung des vitalen maritimen Lebens an den Küsten des Indischen Ozeans.    

 

INFO BEAT PRESSER

Der am 14. Juli 1952 in Basel geborene Fotograf träumte ursprünglich davon, ans Theater zu gehen, entscheidet sich aber aufgrund eines Erlebnisses in einem Fotolabor eines Schulfreundes, fasziniert von der Arbeit in der Dunkelkammer, dafür Fotograf zu werden. Ohne eine formale Ausbildung zu absolvieren, lernt er stattdessen bei erfahrenen Fotografen und später auch bei Filmproduktionsfirmen in Basel, Paris und New York. Ende der Siebzigerjahre gibt er die Fotozeitschriften Palm Beach News und The Village Cry heraus. Seine erste eigene Fotoausstellung Daydreams and Nightmares hatte Beat Presser 1976 in der Basler Daniel Blaise Thorens Gallery. Danach war er in Paris für verschiedene Modefotografen tätig. 1979 zog Beat Presser nach Bangkok, wo er in einer Werbeagentur als Creative Director angestellt war. Danach kehrte er nach Europa zurück, wo er unter anderem mit Cyrille Kazis, Jacques Herzog, Pierre de Meuron und Mische Schaub zusammenarbeitete. In den 1980er Jahren arbeitete Beat Presser eng mit dem Regisseur Werner Herzog und dem Schauspieler Klaus Kinski zusammen. So dokumentierte er die Entstehung der Filme Fitzcarraldo (1982) und Coba Verde (1987). Die während der Zusammenarbeit mit Herzog und Kinski entstandenen Fotos bildeten die Basis mehrerer von Beat Presser veröffentlichter Bildbände und Ausstellungen, mit denen er weltweit auf Tournee ging. Sein erstes Buch Coming Attractions erschien 1983. Ab 1988 folgten mehrere Aufenthalte in Madagaskar. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Vera Pechel entstand die fotografische Geschichte Vom Feuer zur Religion. Das Werk wurde ab 1991 in Basel, Berlin, Bordeaux, Stuttgart, Worpswede und Dakar ausgestellt. Beat Pressers Wanderausstellung Andohahela wurde 2001 in zwölf Städten in Madagaskar gezeigt und zog über 100.000 Besucher an. Im September 2003 erhielt Presser den renommierten Hasselblad Masters Fotopreis. Im Auftrag des Goethe-Institutes organisierte Beat Presser wiederholt Fotografie- und Filmworkshops in Südamerika, Indien, Asien und Afrika. Ab 1990 erstellt er  Fotoreportagen u.a. in Südostasien, Indien, Madagaskar, im Sahel, Ägypten, Osterinseln und den Schweizer Alpen. Die Geschichte über die Dhau Schiffahrt im Indischen Ozean ist eine seiner jüngsten Fotoarbeiten. beatpresser.com


DER ZORN DES MEERES

Eine packende Meereserzählung des Dracula-Autors – 125 Jahre nach der Erstveröffentlichung nun erstmals auf Deutsch - Empfehlung der life@sea-Redaktion

„Der Wind fegte in starken Böen durch den Kanal von Watter´s Mou`, bis die offene Bucht, in der Maggie stand, zum Zentrum eines Wirbelsturms wurde, der immer wieder Pausen einlegte. Der Sturm drang nicht nur aus der eigentlichen Mündung, sondern auch durch die großen Lücken in der östlichen Felswand.

 

Er brauste durch die Schlucht, bis er hoch oben, zwischen den beidseitigen Felsen, hin und wieder zu brüllen schien wie ein lebendiges Wesen, das Schmerz oder Zorn verspürte. Große Nebelschwaden kamen aus der tintenschwarzen Dunkelheit dahinter, so plötzlich, als wären sie große Segel von Schiffen, die vor dem Wind trieben.

 

Erleichtert stellte Maggie fest, dass die Nebelschwaden seltener und dünner wurden, und ihre gefährliche Aufgabe erschien ihr inzwischen durchaus machbar. Das Getöse der ringsum tobenden Elemente weckte zusätzlich ihre Lebensgeister. In ihrem Blut, wie im Blut all der abgehärteten Kinder der Nordmeere, lebte der Geist jener stahlharten Berserker fort, die keine Furcht kannten und mit überragender Tapferkeit auf den Flügeln des Sturmwinds ritten.

 

Solche Menschen wachsen an ihren Herausforderungen, und nun, da es gefordert wurde, reagierte Maggies mutiges Wesen sofort. Entschlossen, fast übermütig, sprang sie ins Boot, packte die Ruder und machte sich auf den gefährlichen Weg“. 

 

In einer stürmischen Nacht steht William Barrow, Bootsführer der Küstenwache, vor einem Dilemma. Ein Telegramm hat ihn über die Ankunft von Schmuggelwaren an der schottischen Ostküste informiert. Als sich William darauf vorbereitet, den Verbrechern das Handwerk zu legen, erfährt er von seiner Verlobten Maggie, dass ihr hoch verschuldeter Vater gezwungen wurde, mit dessen Boot Schmuggelware zu transportieren.

 

Die Folgen, die eine Auslieferung des alten Fischers hätte, sind undenkbar, und Maggie, hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu William und der für ihren Vater, startet einen verzweifelten und gefährlichen Versuch, um beide zu schützen …

 

Eine abenteuerliche und zutiefst romantische Erzählung von Bram Stoker über die Liebe und einen dramatischen Loyalitätskonflikt, in der jedoch insgeheim das rauhe, aufgewühlte Meer und die Seeleute die Hauptfiguren sind. Gerade deshalb hätte sich die Redaktion jedoch an vielen Stellen des Buches eine treffendere Übersetzung gewünscht, welche die spezifische Sprache der Segler würdigt (und nicht von „Seilen und Stütztauen des Flaggenmastes“ spricht, wenn Wanten und Stage gemeint sind, wenn von „Tauen“ gesprochen wird und Leinen bzw. ein Fall gemeint sind, wenn von „Segelleinen“ gesprochen wird und die (Groß-) Schot gemeint ist, wenn „strammziehen“ dichtholen meint und „festmachen“ das Belegen, wenn „lavieren“ das (Auf-) Kreuzen meint und das „Segel-Streichen“ (im Krieg ein Zeichen der Kapitulation) eigentlich nur das Segel-Einholen bedeutet. Auch „brauste“ und „sauste“ es für unseren Geschmack etwas zu oft im Text.

 

Und dennoch: „Der Zorn des Meeres“ (Originaltitel: The Watter’s Mou’) hat uns so sehr gepackt, dass wir das 128 Seiten-Büchlein in einem Stück lesen mussten, mit der Hauptperson des Stückes, Maggie, mitfiebernd, und dabei völlig die Zeit vergessend...

 

Ganz nebenbei macht die Erzählung neugierig auf die Küste von Cruden Bay, Peterhead und das Revier rund um den pittoresken Hafen von Port Erroll im Nordosten Schottlands – Tipp der life@sea.online-Redaktion!

 

Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Alexander Pechmann, hübscher kleiner bedruckter Leineneinband im offenen Schuber. Erschienen im mare-Buchverlag, ISBN: 978-3-86648-613-3.

 

ZUM AUTOR

Bram Stoker wurde am 8. November 1847 als Abraham Stoker in der Nähe von Dublin geboren. Er war bis zu seinem siebten Lebensjahr krank und konnte alleine weder stehen noch gehen. Diese traumatische Erfahrung spiegelt sich in seiner literarischen Arbeit wider. Ewiger Schlaf und die Wiederauferstehung der Toten, das zentrale Thema von Dracula, waren deshalb von großer Bedeutung für ihn.

 

Nach dem Studium schlug er sich als unbezahlter Theaterkritiker und Zeitschriftenherausgeber durch, später wurde er Theatermanager von Henry Irving und Agent von Mark Twain. Von den zehn Büchern, die er in seiner Freizeit veröffentlichte, fand nur Dracula internationale Anerkennung; den Erfolg des bekanntesten Horrorromans der Weltliteratur erlebte er nicht mehr. Bram Stoker starb 1912 in London.

 

 

Zu Ehren des Autors verleiht die Vereinigung der US-amerikanischen Horrorschriftsteller seit 1987 jährlich in verschiedenen Kategorien den Bram Stoker-Award. Erhalten haben ihn unter anderem Stephen King, Clive Barker, Dean Koontz und Joyce Carol Oates. Foto unten_Bram Stoker_(c) mare Verlag


INTERNATIONAL OCEAN FILM TOUR #7

 

Die weite Welt der Ozeane auf der großen Leinwand: Die Internationale Ocean Film Tour  bringt die Schönheit und Faszination der Meere mit einem Programm aus fünf Kurzfilmen mit einer Gesamtlaufzeit von rund zwei Stunden nach Deutschland und in die Schweiz.

 

 

Mit der unaufhaltsamen Surferin Bethany Hamilton als Galionsfigur (siehe Foto) und einem spannenden Segelabenteuer im Gepäck, stach Anfang März das diesjährige Programm der siebten Ocean Film Tour mit einer packenden und sehr emotionalen Premiere in der Hamburger Laeisz-Halle in See.

 

Das packende Portrait über Meeresfotograf Mike deGruy zeigt ein Leben voller Liebe zur Natur und der Entschlossenheit, unermüdlich für deren Schutz zu kämpfen.

 

Im Fokus des Teams um die drei Geschäftsführer der Produktionsfirma Moving Adventures, Joachim Hellinger, Thomas Witt und Stefan Mauerer steht neben spektakulärem Wassersport und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt vor allem der Schutz der Meere. Das 35 Mitarbeiter zählende Unternehmen, welches ergänzt wird durch fünf „On the Road“-Teams mit rund 70 Personen will daher nach eigenen Aussagen mit der Ocean Film Tour  „mehr als nur ein Filmprogramm“ sein.

 

Das bekannteste Format der 2001 gegründeten Moving Adventures Medien-Gesellschaft, auf die Konzeption, Organisation und Vermarktung von Filmtouren in den Bereichen Outdoor, Sport, Natur und Abenteuer spezialisiert, ist neben der International Ocean Film Tour die European Outdoor Film Tour. Neben diesen beiden Eigenproduktionen ist Moving Adventures ausserdem Lizenznehmer der Banff Mountain Film Festival World Tour und der Reel Rock Film Tour.

 

Insgesamt wird die Ocean Film Tour ihr „Vol. 7“ in 13 Ländern mit über 200 Veranstaltungen präsentieren. Inklusive des Rahmenprogrammes, zu dem neben der Moderation auch verschiedene Gewinnspiele gehören, dauert eine Veranstaltung insgesamt etwa zweieinhalb bis drei Stunden. In vielen Städten wird die Tour von Umweltschutz-Organisationen und -Aktivisten begleitet, die darüber informieren, was jeder Einzelne zum Schutz der Weltmeere  und seiner Bewohner leisten kann.

 

Mehr Infos sowie durch Corona veränderten / aktualisierten Termine unter oceanfilmtour.com

 

 

 

 

KURZVORSTELLUNG DER GEZEIGTEN FILME (AUSWAHL):

 

THE MAIDEN CREW (Fremantle, Australien) – Die Skipperin Tracy Edwards hat einen Traum, doch keine Crew und kein Boot. Das sind allerdings kleine Probleme im Verhältnis zum Gegenwind, welcher der 26-jährigen Engländerin Ende der Achtziger aus dem männerdominierten Segelsport entgegenweht. Am 2. September 1989 ist es soweit: Edwards tritt mit einer rein weiblichen Crew und ihrer Yacht MAIDEN zum 5. Whitbread Round the World Race an. Die Frauen werden von der Presse und ihren Kontrahenten verhöhnt, doch als sie die zweite Etappe für sich entscheiden, schlagen die Wellen um Maiden noch höher. MAIDEN erzählt die einmalige Geschichte einer Pionierfahrt – 33.000 Seemeilen Richtung Gleichberechtigung. THE MAIDEN CREW (UK 2018 / Protagonisten: Tracy Edwards MBE, Jo Gooding / Regie: Alex Holmes). Mehr zu The Maiden Factor, und wo sich die legendäre Yacht aktuell gerade befindet, unter themaidenfactor.org.

 

UNSTOPPABLE (Hawaii, USA) – “Im Meer kann ich einfach ich selbst sein,” sagt Bethany Hamilton. Wer ihre Geschichte kennt, den wird diese Aussage stutzig machen, denn: Das Meer hätte der Hawaiianerin beinahe alles genommen, als sie gerade mal 13 Jahre alt ist. Hamilton ist bereits ein Talent der hawaiianischen Surfszene, als sie von einem Tigerhai attackiert wird. Sie verliert ihren linken Arm, doch sie überlebt. Für jeden anderen Athleten wäre der Unfall wohl das sichere Ende der Surfkarriere gewesen, doch Bethany Hamilton denkt gar nicht daran aufzugeben. UNSTOPPABLE erzählt die unwahrscheinliche Geschichte einer Athletin, die mit ungemeiner Willenskraft ihrer Leidenschaft, dem Surfen, folgt und heute eine der profiliertesten Surferinnen der Welt ist. UNSTOPPABLE – (USA 2019 / Protagonistin: Bethany Hamilton / Regie: Aaron Lieber). Den Film in ganzer Länge: Unstoppable von Honolulu Events – Tourdaten und Tickets unter unstoppable-filmtour.com.

 

DEAN GOES SURFING (New Hampshire, USA) – Dean liebt drei Dinge: Wellen, ein gutes Frühstück und die Queen of Rap, Rihanna. Und wie jeder Teenager, der das Surfen für sich entdeckt hat, verbringt er den Tag am liebsten am und im Meer. „Ich bin wie ein menschlicher Fisch; im Wasser fühlt es sich an, als hätte ich kein Down-Syndrom mehr“. DEAN GOES SURFING feiert die Vielfalt und beweist, dass (Meeres-) Wasser ein barrierefreies Element ist. Was als Initiative für behinderte Kinder und Jugendliche begann, ist inzwischen zu einer richtigen kleinen Bewegung geworden: zusammen mit dutzenden Surf-Begeisterten stürmt Dean den Strand und die Wellen. Unterstützt von einem lokalen Surfshop und zahlreichen Freiwilligen bringen die Gründerinnen Lindsey Mercer und Taylor Thomas Ocean Lover mit unterschiedlichen Fähigkeiten aufs Brett und auf das Wasser. (DEAN GOES SURFING – (2018 / Protagonisten: Dean Marion, Lindsey Mercer / Regie: Caitlyn Green). Mehr zu „Surfing with Smiles“ unter surfingwithsmiles.com.